Resümee

Nun waren wir fast genau ein Jahr in Neuseeland und haben ca. 25 000km zurückgelegt. Begonnen haben wir im Februar auf der Südinsel, da es dort im Winter doch empfindlich kalt werden kann (auf der Nordinsel ist es durchschnittlich wärmer, im Winter aber trotzdem ungemütlich).

So lange und so intensiv waren wir bisher noch in keinem Land unterwegs. Neuseeland ist nun nicht gerade groß. Flächenmäßig ist es ein Stück kleiner als Deutschland.

So denken wir, dass wir doch viel gesehen und erlebt haben.

Wir wollen an dieser Stelle nichts schön reden oder emotional erzählen. Dies sind rein unsere Erfahrungen und unsere Meinung!

 

Die beiden Hauptinseln haben völlig unterschiedliche Charaktere und lassen sich kaum miteinander vergleichen. Die Südinsel ist rau und der wunderschöne Gebirgszug der neuseeländischen Alpen zieht sich von Nord nach Süd, es gibt Gletscher, die Flüsse sind breit und steinig und im Westen gibt es hohe Niederschläge.

Den Sandfliegen scheint es auf der Südinsel wesentlich besser zu gefallen. Eine echte Plage.

Die Nordinsel hingegen wartet mit Vulkanen und recht schönen Stränden auf. Die Landschaft ist irgendwie sanfter. Im Grunde handelt es sich um grüne, hüglige Graslandschaft (die Bäume mussten dem Weideland weichen). Obwohl mehr Menschen auf der Nordinsel leben, war es dort erstaunlicherweise einfacher Übernachtungsmöglichkeiten in der Wildnis oder eben kostenlose Stellplätze zu finden.

Von „Wildnis“ kann man allerdings, bis auf die rauen Fjorde des Westlands, in Neuseeland nicht wirklich reden. Denn bis auf die Nationalparks ist der größte Teil Weideland für unzählige Schafe und Kühe. Der Rest ist entweder Land- oder Forstwirtschaft.

Die meisten Neuseeländer, die sich selber Kiwis nennen, sind Jäger und/oder Angler. Das können wir auch gut nachvollziehen, denn sonst ist nicht viel los und die Bedingungen dafür sind sehr gut. Außerdem vermehren sich die eingeschleppten Tiere wie Hirsche, Hasen, Tahrs, Possums und wie sie alle heißen unkontrolliert, da sie optimale Lebensbedingungen vorfinden und es keine natürlichen Feinde gibt.

 

Die Menschen sind freundlich und unkompliziert. Wir wurden oft eingeladen oder haben kleine und große Geschenke bekommen. An dieser Stelle ein fetter Dank an alle diejenigen, die uns den Neuseelandaufenthalt so angenehm gemacht haben!!! Das heißt aber nicht, dass sie immer völlig entspannt sind. Auf der Straße eiern sie zwar extrem rum, aber den „Finger“ haben wir öfters mal gesehen und lautstark angemotzt und von hupen begleitet, wurden wir auch. Klar, der Verkehr steigt mit den einfallenden Scharen von Touris immer mehr und klar ist auch, dass es überall ein paar Vollhorste gibt…

Die meisten Neuseelandreisenden erwähnen aber als herausragendes Merkmal die extrem freundlichen Menschen. Die Frage ist nur im Vergleich zu wem. Eine Faustregel haben wir für uns gefunden: Je westlicher, entwickelter, besiedelter und reicher ein Land, desto unfreundlicher die Menschen. Von diesen Ländern gibt es nicht sooo viele, und so würden wir das nicht als ein besonders herausragendes Merkmal stehen lassen. In den meisten Ländern sind wir größtenteils freundlichen Menschen begegnet.

Nimmt man jetzt aber mal an, dass Neuseeland eines der reicheren Länder ist (westlich ist es auf jeden Fall), so sind die Menschen vergleichsweise freundlich!…

Die Kleiderordnung ist sehr gewöhnungsbedürftig und das Temperaturempfinden scheint ein völlig anderes zu sein. Daunenjacke mit kurzen Hosen und Gummistiefel sind nicht unüblich.

Bis auf die nicht allzu beliebten „Aucklander“ herrscht hier nicht so der „Business-Gedanke“ wie in Mitteleuropa, was sehr angenehm ist. Es ist ein absolut leicht zu bereisendes Land. Manchmal zu leicht. Es fehlt ein wenig die Würze des Unwägbaren.

Allerdings, einfach irgendwo hinstellen kann man sich wegen dem nicht vorhandenen Niemandsland auch nicht. Neben den Straßen und Pisten sieht man nicht enden wollende Zäune. Wenn man es genau betrachtet, gibt es zwischen den Highlights nur Weiden, Farmland, Forstwirtschaft und Zäune.

Dafür sind die meisten Sehenswürdigkeiten und die Nationalparks kostenlos. Ja, sogar manche Museen. Besonders schön war das Te Papa-Museum in Wellington. Es gibt viele kostenlose Campingplätze oder eben welche zu einem faires Preis.

 

Der Kiwivogel ist das Nationaltier. Der flugunfähige, nachtaktive Vogel mit dem langen Schnabel hat keinen leichten Stand. Er muss sich gegen allerlei eingeschleppte Säugetiere, wie Marder oder Possums behaupten. Das Department of Conservation (DOC) greift mitunter zu drastischen Mitteln: Großflächig werden vergiftete Köder ausgebracht um die Säuger zu töten. Eine sehr umstrittene Praxis. Häufig sieht man Warnschilder die vor „1080“, dem bevorzugtem Gift warnen. Die größte Plage scheinen wohl die Possums zu sein. Ursprünglich in Australien heimisch, fühlen sie sich in den Wäldern Neuseelands pudelwohl. Sie stehen in direkter Konkurrenz zur einheimischen Vogelwelt. Neuseeland unternimmt große Anstrengungen um zu verhindern, dass sich ungewollt neue Tier- und Pflanzenarten hier ausbreiten. Es gibt strenge Kontrollen bei der Einreise. Früchte, Fleisch, etc. darf ohne Genehmigung nicht eingeführt werden.

 

Neuseeland stellt sich gerne als „green and clean“ dar. Tatsächlich zeigen sich aber sehr schnell Risse im Image: Es gibt kein landesweites Recycling System, Pfandflaschen sind eine Seltenheit. Die Häuser sind nicht isoliert, Doppelverglasung ist ein Novum. Geheizt wird mit Strom oder Holz neuerdings auch mit Wärmepumpen. Das es mit dem Umweltbewusstsein nicht ganz so weit her ist haben uns selbst die Kiwis bestätigt.

Die Hersteller von Unkrautvernichtungsmittel machen hier sicher auch ein gutes Geschäft: Drei Meter vor und hinter jedem einzelnen Straßenbegrenzungspfosten ist alles braun…

Wirklich viele Viecher gibt es nicht zu sehen. Die Kiwi-Vögel zeigen sich ja nicht. Ansonsten sind die verschiedenen Robben, Seelöwen, Delphine und Pinguine und wenn man sie zu Gesicht bekommt, die Wale und Orkas noch die interessantesten Tiere. Zu den interessanten Vögeln zählen in jedem Fall der Tui, der Pukeko, der Fantail und vor allem die neugierigen und diebischen Wekas.

 

Uns fehlte das Straßenleben, so wie man es von Teilen Europas, Afrikas, Asiens und vor allem in Südamerika kennt. Dadurch sind die Städte recht langweilig und machen nicht viel her. Überhaupt ist Neuseeland nicht für besonders schöne Städte und Orte bekannt. Es herrscht die englisch-amerikanische Lebensweise; Fastfood , Drive Thru, Fish&Chips (auf neuseeländisch: Fush&Chups), zusammen getackerte Häuser, nicht funktionierende Waschmaschinen (die Wäsche ist dann nass, voller Waschpulver und genauso dreckig wie zuvor) und nach der Arbeit geht’s nach Hause (vielleicht noch in den Pub – aber eigentlich „unbezahlbar“).

Besonders beliebt ist Aotearoa („das Land der langen weißen Wolke“, wie es die Maori nennen) bei jungen Deutschen, die hier in Scharen anlanden um meist ein Jahr hier zu arbeiten und zu reisen. „Work and Travel“ Visa sind leicht zu bekommen, man darf nur nicht älter als 30 sein. Die jungen Leute arbeiten meistens in der Landwirtschaft (Kiwis, Äpfel, Wein). Allerdings sind die meisten Jobs Akkordarbeit. Für die Agrarindustrie sind sie willkommene Arbeitskräfte.

 

Neuseeland ist sicher ein wunderschönes Land, was doch einiges zu bieten hat. Zumindest für Urlauber. Erstrecht, wenn man bedenkt, dass es ziemlich klein ist. So gesehen ist die Landschaft dann doch vergleichsweise recht vielseitig.

Alles in allem hat es uns im Land am anderen Ende der Welt ganz gut gefallen. Ein Jahr ist halt ein bisschen zu viel für die beiden Inseln. Die Kultur ist nicht besonders außergewöhnlich oder interessant (und bitte jetzt nicht mit den Maoris anfangen – das ist ja oftmals nur Show…pssst, nix sagen!). Dadurch wurde uns vielleicht auch langweilig…

Vielleicht kann man sagen, dass uns die Südinsel einen Tick besser gefallen hat. Sie ist halt rauer, bergiger und dünner besiedelt. Aber richtig festlegen wollen wir uns  dann doch nicht.

Aus diesen Gründen sind wir der Meinung, dass Neuseeland von vielen Besuchern massiv überbewertet wird.

Natürlich sind unsere Fotos und die anderer schön, aber die wären (fast) überall schön, da man normalerweise nicht die langweiligen oder weniger schönen Motive fotografiert. Vielleicht sind wir auch von unseren vielen Reisen verwöhnt, aber wir glauben nicht wirklich, dass da was dran ist. Schließlich lieben wir unsere Heimat z.B. die Alpen und die Abwechslung in Europa nach wie vor und finden es wunderschön.

Vielen Dank an Alle, die wir unterwegs kennengelernt haben, mit denen wir Spaß hatten und die uns geholfen haben!

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